Korrekturen gehören zum Fußball. Ein Trainer, der einen Spieler auf Fehler hinweist, seine Entscheidungen hinterfragt oder mehr Einsatz fordert, macht zunächst einmal seinen Job. Kinder können sich nur verbessern, wenn sie erfahren, was sie besser machen können.
Doch Eltern erleben manchmal eine andere Situation: Das eigene Kind wird scheinbar ständig korrigiert. Fast jede Aktion wird kommentiert, Fehler werden laut angesprochen und auf dem Heimweg erzählt das Kind: „Der Trainer meckert immer nur mit mir.“
Dann stellt sich eine schwierige Frage: Ist das noch normales Coaching – oder wird die Kritik zum Problem?
Kritik ist nicht automatisch etwas Negatives
Ein guter Nachwuchstrainer wird Kinder nicht ausschließlich loben. Er soll ihnen schließlich helfen, sich weiterzuentwickeln.
Sätze wie
„Schau dich vor der Ballannahme um.“
„Geh konsequenter in den Zweikampf.“
„Spiel den Ball früher.“
können völlig normale und hilfreiche Korrekturen sein.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie oft ein Trainer etwas sagt, sondern vor allem was er sagt und wie er es sagt.
Ein Kind, das häufig in Spielsituationen eingebunden ist, bekommt möglicherweise sogar mehr Korrekturen als andere Spieler. Viel Feedback kann daher durchaus bedeuten, dass der Trainer intensiv mit diesem Spieler arbeitet.
Coaching sollte dem Kind zeigen, was es besser machen kann
Hilfreiche Kritik ist möglichst konkret.
Mit
„Das war schlecht!“
kann ein Kind wenig anfangen.
Deutlich hilfreicher wäre:
„Du hast vor der Ballannahme nur auf den Ball geschaut. Versuch vorher einmal über die Schulter zu schauen.“
Jetzt weiß der Spieler, was der Fehler war und was er beim nächsten Versuch verändern kann.
Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen Coaching und bloßem Meckern.
Der Ton macht einen großen Unterschied
Auch eine fachlich richtige Aussage kann problematisch werden, wenn sie ein Kind ständig anschreit, bloßstellt oder persönlich abwertet.
Es besteht ein Unterschied zwischen:
„Du musst schneller zurückarbeiten!“
und:
„Bist du eigentlich zu faul zum Laufen?“
Im ersten Fall kritisiert der Trainer ein konkretes Verhalten auf dem Fußballplatz.
Im zweiten Fall wird aus der sportlichen Korrektur schnell eine persönliche Bewertung des Kindes.
Gerade im Nachwuchsfußball sollte Kritik möglichst das Verhalten oder eine Spielsituation betreffen – nicht den Wert oder Charakter eines Kindes.
Warum bekommt ausgerechnet mein Kind so viele Korrekturen?
Diese Frage beschäftigt viele Eltern.
Dabei gibt es mehrere mögliche Erklärungen.
Vielleicht erwartet der Trainer von diesem Spieler besonders viel. Vielleicht arbeitet er gerade gezielt an einem bestimmten Entwicklungsschwerpunkt. Vielleicht spielt das Kind auf einer Position, auf der der Trainer besonders viele taktische Anweisungen gibt.
Es kann aber natürlich auch vorkommen, dass ein Trainer einen Spieler tatsächlich deutlich kritischer behandelt als andere.
Deshalb lohnt sich zunächst eine Beobachtung:
Wie spricht der Trainer eigentlich mit den anderen Kindern?
Wer ausschließlich auf das eigene Kind achtet, nimmt dessen Korrekturen zwangsläufig besonders intensiv wahr.
Entscheidend ist, was beim Kind ankommt
Eltern und Trainer können dieselbe Situation völlig unterschiedlich bewerten.
Der Trainer denkt möglicherweise:
„Ich helfe ihm gerade intensiv.“
Beim Kind kommt dagegen an:
„Ich mache sowieso alles falsch.“
Deshalb sollte die Wahrnehmung des Kindes ernst genommen werden.
Hilfreicher als die Frage „Meckert der Trainer viel mit dir?“ sind offene Fragen wie:
„Wie fühlst du dich momentan im Training?“
oder:
„Was passiert, wenn du einen Fehler machst?“
So können Eltern besser herausfinden, ob das Kind die Korrekturen als Unterstützung, normalen Bestandteil des Trainings oder zunehmend als Belastung erlebt.
Ein Warnsignal: Das Kind bekommt Angst vor Fehlern
Besonders aufmerksam sollten Eltern werden, wenn sich das Verhalten ihres Kindes verändert.
Ein Spieler, der früher mutig gedribbelt hat, spielt plötzlich jeden Ball sofort weiter. Ein Kind möchte den Ball gar nicht mehr haben. Vor dem Training entstehen Bauchschmerzen oder Nervosität. Nach Fehlern schaut der Spieler sofort ängstlich zur Seitenlinie.
Dann kann permanenter Druck die Entwicklung sogar behindern.
Denn Nachwuchsspieler müssen Fehler machen dürfen.
Wer ständig Angst vor der nächsten Reaktion des Trainers hat, entscheidet irgendwann nicht mehr frei, sondern versucht vor allem, Fehler zu vermeiden.
Gerade für Kreativität, Entscheidungsverhalten und Selbstvertrauen kann das problematisch sein.
Lob allein ist allerdings auch keine Lösung
Die Alternative zu ständiger Kritik ist nicht, jedes Kind permanent zu loben.
Auch übertriebenes oder beliebiges Lob verliert schnell seine Wirkung.
Kinder profitieren vielmehr von ehrlichem und konkretem Feedback:
„Die Idee war richtig, der Pass war nur etwas zu spät.“
Oder:
„Der Zweikampf war gut. Jetzt versuch danach schneller weiterzuspielen.“
Damit erfährt das Kind sowohl, was bereits funktioniert, als auch, woran es noch arbeiten kann.
Wann sollten Eltern das Gespräch mit dem Trainer suchen?
Nicht nach jedem scharfen Zuruf von der Seitenlinie muss ein Elterngespräch stattfinden.
Wenn das Kind jedoch über einen längeren Zeitraum unter der Situation leidet, sich unfair behandelt fühlt oder zunehmend Angst vor Fehlern entwickelt, ist ein ruhiges Gespräch sinnvoll.
Dabei hilft es wenig, mit einem Vorwurf einzusteigen:
„Sie kritisieren mein Kind ständig.“
Besser wäre beispielsweise:
„Uns fällt auf, dass er momentan sehr unsicher geworden ist und das Gefühl hat, viele Dinge falsch zu machen. Wie erleben Sie ihn aktuell im Training?“
Damit entsteht zunächst ein Austausch über die Wahrnehmung beider Seiten.
Konkrete Beispiele helfen mehr als allgemeine Vorwürfe
Falls Eltern bestimmte Situationen problematisch finden, sollten sie möglichst konkret bleiben.
Also nicht:
„Sie schreien ihn immer an.“
Sondern beispielsweise:
„Beim letzten Spiel wurde er nach zwei Fehlpässen mehrfach sehr laut korrigiert. Danach hat er kaum noch versucht, selbst eine Lösung zu finden.“
Über eine konkrete Situation lässt sich wesentlich besser sprechen als über pauschale Vorwürfe.
Was, wenn sich trotz Gespräch nichts verändert?
Ein einzelnes schwieriges Training oder ein emotionales Spiel sollte nicht überbewertet werden.
Anders sieht es aus, wenn ein Kind dauerhaft abgewertet, bloßgestellt oder persönlich angegriffen wird und Gespräche keine Veränderung bringen.
Dann dürfen Eltern weitere Ansprechpartner im Verein einbeziehen – beispielsweise Jugendleitung oder sportliche Leitung.
Im Mittelpunkt sollte dabei nicht die Frage stehen, ob ein Trainer „gut“ oder „schlecht“ ist.
Die entscheidende Frage lautet:
Kann sich mein Kind in diesem Umfeld sportlich entwickeln und gleichzeitig gerne Fußball spielen?
Wenn die Antwort darauf über längere Zeit eindeutig negativ ausfällt, muss möglicherweise auch über eine Veränderung nachgedacht werden.
Nicht jedes strenge Coaching ist schlechtes Coaching
Gerade im leistungsorientierten Nachwuchsfußball können Trainer deutlich und anspruchsvoll auftreten.
Kinder dürfen gefordert werden. Sie dürfen hören, dass etwas nicht gut war. Und sie dürfen lernen, mit Kritik umzugehen.
Die Grenze verläuft nicht zwischen Lob und Kritik.
Sie verläuft eher zwischen entwicklungsorientiertem Feedback und persönlicher Abwertung.
Ein Trainer darf sagen:
„Das war heute nicht deine beste Leistung.“
Problematisch wäre dagegen eine Botschaft wie:
„Du kannst das einfach nicht.“
Das eine bewertet eine Leistung. Das andere kann vom Kind als Bewertung seiner Person verstanden werden.
Fazit: Gute Kritik macht Kinder nicht kleiner
Ein Nachwuchstrainer muss nicht jeden Fehler schönreden. Im Gegenteil: Ehrliches Feedback gehört zu einer guten fußballerischen Ausbildung.
Kinder sollten nach einer Korrektur aber möglichst wissen:
Was habe ich falsch gemacht? Was kann ich verändern? Und bekomme ich die Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen?
Wenn Kritik dagegen dauerhaft dazu führt, dass ein Kind Angst vor Fehlern bekommt, sich persönlich herabgesetzt fühlt oder die Freude am Fußball verliert, sollten Eltern genauer hinschauen und das Gespräch suchen.
Denn gutes Coaching fordert Kinder – ohne sie kleinzumachen.
Passend dazu auf Spielereltern.de
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