„Kann ich dich mal kurz sprechen?“
Für viele Jugendtrainer ist dieser Satz nach einem Spiel ein kleines Warnsignal. Denn nicht selten folgt anschließend eine Diskussion über Spielzeit, Position, Kadernominierung oder die vermeintlich falsche Einschätzung eines Kindes.
Auf der anderen Seite stehen Eltern, die völlig berechtigte Fragen haben. Sie möchten wissen, wie sich ihr Kind entwickelt, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden oder wie sie es unterstützen können.
Mit dem Trainer zu sprechen ist deshalb keineswegs grundsätzlich problematisch. Entscheidend ist, wann, wie und worüber gesprochen wird.
Eltern dürfen Fragen stellen
Manchmal entsteht im Nachwuchsfußball der Eindruck, Eltern sollten ihre Kinder lediglich zum Training bringen und sich ansonsten möglichst aus allem heraushalten.
Ganz so einfach ist es nicht.
Eltern vertrauen einem Verein und seinen Trainern ihr Kind mehrere Stunden pro Woche an. Sie organisieren Fahrten, Wochenenden und häufig einen beträchtlichen Teil ihres Familienalltags rund um Training und Spiele.
Natürlich dürfen sie deshalb Fragen stellen.
Problematisch wird es erst, wenn aus einer Frage eine Forderung wird.
Zwischen
„Wie schätzt du seine Entwicklung momentan ein?“
und
„Warum spielt er nicht auf der Zehn? Da ist er doch viel besser als …“
liegen Welten.
Der Trainer sieht das eigene Kind anders
Für Eltern ist das eigene Kind naturgemäß etwas Besonderes.
Der Trainer betrachtet dagegen vielleicht 15, 18 oder 20 Spieler gleichzeitig.
Er sieht nicht nur das Tor am Wochenende, sondern möglicherweise auch, dass ein Spieler im Training häufig abschaltet, taktische Vorgaben noch nicht umsetzt oder in bestimmten Situationen Schwierigkeiten hat.
Umgekehrt kann ein Trainer Stärken erkennen, die Eltern gar nicht aufgefallen sind.
Genau deshalb können Gespräche wertvoll sein.
Nicht, um den Trainer von der eigenen Meinung zu überzeugen, sondern um seine Perspektive kennenzulernen.
Der Zeitpunkt entscheidet mit
Direkt nach einem Spiel ist für ein grundsätzliches Gespräch meistens der falsche Zeitpunkt.
Der Trainer hat gerade ein Spiel betreut, muss sich möglicherweise um Spieler, Material oder die nächste Mannschaft kümmern. Eltern sind vielleicht noch emotional, weil ihr Kind wenig gespielt, einen Fehler gemacht oder auf einer ungewohnten Position eingesetzt wurde.
Aus einem geplanten Zweiminutengespräch werden dann schnell zwanzig Minuten Diskussion.
Besser:
„Hast du diese Woche irgendwann zehn Minuten Zeit? Ich würde gerne einmal hören, wie du die Entwicklung meines Kindes einschätzt.“
Damit wird aus einer spontanen Konfrontation ein Gespräch.
Mit einer offenen Frage beginnen
Eine der besten Fragen an einen Jugendtrainer lautet:
„Wie siehst du mein Kind momentan?“
Und dann erst einmal zuhören.
Das klingt banal, verändert aber die Gesprächssituation.
Der Trainer muss sich nicht rechtfertigen und bekommt Gelegenheit, seine Einschätzung zu erklären.
Danach kann man konkreter werden:
„Wo siehst du aktuell seine Stärken?“
„Woran sollte er besonders arbeiten?“
„Was kann er selbst tun, um den nächsten Schritt zu machen?“
„Wie können wir ihn zu Hause sinnvoll unterstützen?“
Damit bleibt das Gespräch dort, wo es hingehört: bei der Entwicklung des Kindes.
Über andere Kinder sollte man möglichst nicht sprechen
Eine der ungünstigsten Fragen lautet:
„Warum spielt eigentlich Max und mein Kind nicht?“
Damit wird ein anderes Kind zum Maßstab gemacht.
Der Trainer müsste nun entweder über einen anderen Nachwuchsspieler sprechen oder sich für dessen Einsatz rechtfertigen.
Beides ist unnötig.
Besser ist:
„Was fehlt meinem Kind momentan noch, um auf dieser Position häufiger eingesetzt zu werden?“
Die Information, die Eltern suchen, ist fast dieselbe. Aber niemand anderes wird dabei abgewertet.
Nicht jede Entscheidung muss Eltern gefallen
Das gehört ebenfalls zum Nachwuchsfußball.
Vielleicht sieht der Trainer das eigene Kind als Außenverteidiger, obwohl es unbedingt im zentralen Mittelfeld spielen möchte.
Vielleicht beginnt es ein Spiel auf der Bank.
Vielleicht wird es für ein Turnier nicht nominiert.
Eltern dürfen nach den Gründen fragen.
Sie müssen anschließend aber nicht jede Entscheidung gut finden.
Entscheidend ist vielmehr, ob die Entscheidung nachvollziehbar erklärt werden kann und Teil einer erkennbaren sportlichen Entwicklung ist.
Wenn es um Spielzeit geht
Spielzeit gehört wahrscheinlich zu den häufigsten Konfliktthemen zwischen Trainern und Eltern.
Wenn ein Kind einmal wenig spielt, muss daraus noch kein Grundsatzgespräch entstehen.
Wenn es jedoch über Wochen regelmäßig nur wenige Minuten bekommt oder wiederholt nicht nominiert wird, ist eine Nachfrage vollkommen legitim.
Dabei sollte die Frage ebenfalls auf die Perspektive gerichtet sein:
„Was muss mein Kind momentan verbessern, damit es mehr Spielzeit bekommt?“
Wir haben dieses Thema ausführlicher in unserem Ratgeber „Mein Kind sitzt nur auf der Bank – wann sollten Eltern das Gespräch mit dem Trainer suchen?“ behandelt.
Das Kind sollte mit zunehmendem Alter selbst Verantwortung übernehmen
Bei einem Sechsjährigen werden Eltern viele Gespräche zwangsläufig selbst führen.
Bei einem Zwölf- oder Vierzehnjährigen sieht das anders aus.
Mit zunehmendem Alter sollte ein Nachwuchsspieler lernen, selbst Fragen zu stellen.
Beispielsweise:
„Warum hast du mich heute auf dieser Position eingesetzt?“
oder:
„Was muss ich verbessern, damit ich häufiger spiele?“
Das kostet manche Kinder zunächst Überwindung.
Aber genau solche Gespräche gehören zur persönlichen Entwicklung.
Eltern können dabei helfen, das Gespräch vorzubereiten – ohne es automatisch selbst zu führen.
Was Eltern besser vermeiden sollten
Ein paar Verhaltensweisen machen konstruktive Kommunikation unnötig schwer.
Dazu gehören Diskussionen unmittelbar nach dem Abpfiff, Vorwürfe vor anderen Eltern oder Spielern, WhatsApp-Nachrichten mitten in der Nacht und Vergleiche mit anderen Kindern.
Besonders problematisch wird es, wenn Eltern ihrem Kind ständig vermitteln:
„Der Trainer versteht dich einfach nicht.“
Vielleicht stimmt die Einschätzung der Eltern sogar in einzelnen Punkten.
Für das Kind entsteht dadurch jedoch ein Konflikt. Es soll einem Trainer folgen, dessen Autorität zu Hause gleichzeitig infrage gestellt wird.
Das hilft selten.
Was tun, wenn das Gespräch schwierig wird?
Nicht jedes Gespräch verläuft gut.
Vielleicht reagiert ein Trainer gereizt. Vielleicht fühlen sich Eltern nicht ernst genommen. Oder beide Seiten haben völlig unterschiedliche Vorstellungen.
Dann hilft es, bei konkreten Beispielen zu bleiben.
Nicht:
„Du bevorzugst immer dieselben Spieler.“
Sondern:
„In den vergangenen vier Spielen kam mein Kind jeweils ungefähr zehn Minuten zum Einsatz. Wie siehst du seine Perspektive in den nächsten Wochen?“
Über konkrete Situationen lässt sich wesentlich besser sprechen als über pauschale Vorwürfe.
Gute Trainerkommunikation funktioniert in beide Richtungen
Auch Trainer profitieren von Eltern, die Fragen stellen können, ohne jede Entscheidung infrage zu stellen.
Und Eltern profitieren von Trainern, die Entscheidungen erklären können, ohne jede Nachfrage als Angriff zu verstehen.
Am Ende verfolgen beide Seiten normalerweise dasselbe Ziel:
Das Kind soll sich entwickeln und gerne Fußball spielen.
Wenn dieses gemeinsame Ziel im Mittelpunkt bleibt, werden viele Gespräche plötzlich erheblich einfacher.
Fünf Fragen, die fast immer funktionieren
Wer unsicher ist, kann sich für ein Trainergespräch diese fünf Fragen merken:
- Wie siehst du die Entwicklung meines Kindes momentan?
- Was macht es aus deiner Sicht besonders gut?
- Wo siehst du aktuell den größten Entwicklungsbedarf?
- Was kann mein Kind selbst konkret verbessern?
- Wie können wir als Eltern sinnvoll unterstützen, ohne uns einzumischen?
Mit diesen Fragen bekommt man häufig wesentlich mehr Informationen als mit der Frage:
„Warum spielt mein Kind nicht öfter?“
Und genau darum sollte es bei einem guten Gespräch zwischen Spielereltern und Trainer gehen.
Nicht darum, eine Entscheidung zu gewinnen.
Sondern darum, das eigene Kind besser zu verstehen und sinnvoll auf seinem Fußballweg zu begleiten.
