Fußball ist für viele Kinder weit mehr als ein Sport. Sie freuen sich auf ihre Mannschaft, treffen Freunde und erleben gemeinsam Siege und Niederlagen. Umso belastender kann es werden, wenn ein Kind plötzlich nicht mehr dazugehört. Wenn Mitspieler es ignorieren, bei Übungen nicht einbeziehen oder sich regelmäßig über seine Fehler lustig machen, verliert der Fußball schnell seinen Reiz.
Für Eltern ist die Situation häufig schwer einzuschätzen. Gehören solche Konflikte zum Mannschaftsalltag? Ist es eine vorübergehende Auseinandersetzung zwischen Kindern? Oder entwickelt sich daraus eine Ausgrenzung, bei der Erwachsene eingreifen müssen?
Entscheidend ist, genau hinzusehen. Denn nicht jeder Streit ist Mobbing. Wiederholte Demütigungen und gezieltes Ausschließen sollten aber auch im Jugendfußball niemals als normaler Bestandteil des Mannschaftslebens hingenommen werden.
Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind in der Mannschaft ausgegrenzt wird?
Nicht jedes Kind erzählt zu Hause offen, was im Training oder in der Kabine passiert. Manche schämen sich, andere möchten nicht als jemand gelten, der sich bei seinen Eltern beschwert. Gerade ältere Kinder versuchen häufig, solche Situationen zunächst allein zu bewältigen.
Deshalb fallen Veränderungen manchmal zuerst im Alltag auf.
Ein Kind, das früher begeistert zum Training gegangen ist, sucht plötzlich nach Ausreden. Es klagt regelmäßig über Bauchschmerzen vor dem Fußball, möchte nicht mehr zu Mannschaftsveranstaltungen oder zieht sich nach Spielen ungewöhnlich schnell zurück.
Auch die Art, wie ein Kind über seine Mitspieler spricht, kann Hinweise geben. Sätze wie „Die passen sowieso nie zu mir“, „Mich will keiner in seiner Gruppe haben“ oder „Alle finden mich schlecht“ sollten Eltern ernst nehmen.
Mögliche Anzeichen sind:
- Das Kind möchte plötzlich nicht mehr zum Training oder zu Spielen.
- Es berichtet wiederholt von Beleidigungen, Spott oder absichtlichem Ausschließen.
- Es wird bei Partnerübungen häufig als Letztes gewählt oder bleibt allein.
- Mannschaftskameraden ignorieren es auch außerhalb des Fußballplatzes.
- Es wirkt nach dem Training traurig, wütend oder ungewöhnlich still.
- Sein Selbstvertrauen nimmt merklich ab.
Keines dieser Anzeichen beweist für sich genommen eine Ausgrenzung. Treten mehrere Veränderungen über längere Zeit auf, lohnt sich jedoch ein genaueres Gespräch.
Streit, Konkurrenz oder Mobbing: Wo liegt der Unterschied?
In einer Fußballmannschaft treffen unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander. Kinder konkurrieren um Positionen, ärgern sich über verlorene Spiele und streiten gelegentlich darüber, wer einen Fehler gemacht hat.
Solche Konflikte gehören zum sozialen Lernen. Sie sollten angesprochen und gelöst werden, sind aber nicht automatisch Mobbing.
Anders sieht es aus, wenn ein Kind wiederholt und gezielt herabgesetzt wird. Wenn mehrere Mitspieler immer wieder dieselbe Person verspotten, absichtlich ausschließen oder einschüchtern, kann sich daraus eine Mobbingsituation entwickeln.
Ein wesentliches Merkmal ist das Ungleichgewicht: Das betroffene Kind kann sich gegen die Angriffe kaum noch behaupten. Es steht möglicherweise einer Gruppe gegenüber oder befürchtet, dass Gegenwehr die Situation verschlimmert.
Dabei muss Ausgrenzung nicht laut oder offensichtlich sein.
Manchmal äußert sie sich durch demonstratives Schweigen, absichtlich verweigerte Zuspiele oder das wiederholte Ausschließen aus gemeinsamen Aktivitäten.
Gerade diese subtilen Formen können für Trainer schwer zu erkennen sein, weil sie im normalen Trainingsbetrieb leicht untergehen.
Warum werden Kinder im Jugendfußball ausgegrenzt?
Die Gründe sind unterschiedlich. Manchmal entstehen feste Freundesgruppen, in die neue Mannschaftsmitglieder nur schwer hineinkommen. In anderen Fällen werden sportliche Unterschiede zum Anlass genommen, ein Kind abzuwerten.
Ein Spieler, der technisch noch nicht so weit entwickelt ist, wird bei Trainingsspielen möglicherweise seltener angespielt. Daraus kann ein Kreislauf entstehen: Das Kind bekommt weniger Ballkontakte, wird unsicherer und macht unter Druck häufiger Fehler. Diese Fehler wiederum werden von einzelnen Mitspielern als Begründung genommen, es noch weniger einzubeziehen.
Auch körperliche Unterschiede können eine Rolle spielen. Gerade während der Pubertät entwickeln sich Kinder sehr unterschiedlich. Wer kleiner, langsamer oder körperlich später entwickelt ist, kann innerhalb einer leistungsorientierten Mannschaft schnell unterschätzt werden.
Hinzu kommen persönliche Konflikte, Missverständnisse oder Spannungen, die bereits in der Schule oder in privaten Freundesgruppen entstanden sind.
Wichtig ist allerdings: Keine dieser Ursachen rechtfertigt Beleidigungen oder gezielte Ausgrenzung.
Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihr Kind von Ausgrenzung erzählt?
Die erste Reaktion ist oft entscheidend dafür, ob das Kind weiter offen über seine Erfahrungen spricht.
Eltern sollten zunächst zuhören und versuchen, die Situation möglichst genau zu verstehen. Vorschnelle Bewertungen helfen dabei selten.
Wer unmittelbar erklärt, dass die anderen Kinder unmöglich seien und der Trainer offensichtlich versage, kann das eigene Kind zusätzlich verunsichern. Vielleicht möchte es zunächst einfach erzählen, was passiert ist.
Hilfreicher sind offene Fragen:
„Was genau ist heute passiert?“
„Passiert das öfter oder war das heute zum ersten Mal?“
„Wie haben die anderen darauf reagiert?“
„Hat der Trainer etwas davon mitbekommen?“
„Was würdest du dir wünschen, damit es wieder besser wird?“
Diese Fragen helfen dabei, zwischen einem einzelnen Konflikt und einem wiederkehrenden Muster zu unterscheiden.
Eltern sollten ihrem Kind außerdem deutlich machen, dass es richtig ist, über belastende Erfahrungen zu sprechen.
Es muss solche Situationen nicht allein lösen.
Das Kind nicht sofort zum Opfer erklären
So wichtig es ist, Beschwerden ernst zu nehmen, so vorsichtig sollten Eltern mit Zuschreibungen umgehen.
Wer seinem Kind wiederholt vermittelt, dass die gesamte Mannschaft gegen es sei, kann ungewollt dessen Gefühl verstärken, keinerlei Einfluss auf die Situation zu haben.
Besser ist es, konkrete Vorfälle zu besprechen und gemeinsam nach Handlungsmöglichkeiten zu suchen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass das Kind selbst für die Ausgrenzung verantwortlich wäre.
Es geht darum, seine Wahrnehmung ernst zu nehmen und gleichzeitig sein Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken.
Sollte das Kind die Mitspieler selbst ansprechen?
Das hängt vom Alter, von der Situation und vom Ausmaß der Ausgrenzung ab.
Bei einem überschaubaren Konflikt zwischen zwei Kindern kann ein direktes Gespräch sinnvoll sein. Vielleicht hat ein Mitspieler eine Bemerkung gemacht, ohne zu erkennen, wie verletzend sie war.
Dann kann es helfen, wenn das betroffene Kind ruhig erklärt, was es gestört hat.
Beispielsweise:
„Ich finde es blöd, wenn du mich nach einem Fehler auslachst. Ich möchte, dass du damit aufhörst.“
Solche Gespräche können Kinder darin stärken, eigene Grenzen zu formulieren.
Bei wiederholter Ausgrenzung durch eine Gruppe ist die Situation allerdings anders. Ein Kind sollte nicht dazu gedrängt werden, sich allein gegen mehrere Mitspieler zu behaupten.
Wenn Beleidigungen, Drohungen oder gezielte Demütigungen vorkommen, sind die verantwortlichen Erwachsenen gefragt.
Welche Verantwortung trägt der Trainer?
Ein Jugendtrainer ist für die sportliche Entwicklung seiner Mannschaft zuständig. Gleichzeitig prägt er wesentlich, wie die Kinder miteinander umgehen.
Er entscheidet, welche Verhaltensweisen er akzeptiert, wie er auf abwertende Kommentare reagiert und welche Bedeutung gegenseitiger Respekt im Mannschaftsalltag hat.
Dabei muss ein Trainer nicht jeden Streit verhindern. Er sollte aber eingreifen, wenn Kinder wiederholt beleidigt, lächerlich gemacht oder ausgeschlossen werden.
Besonders problematisch wird es, wenn sportliche Leistung als Rechtfertigung für schlechtes Verhalten dient.
Ein Spieler darf Fehler machen, ohne anschließend von seinen Mitspielern beschimpft zu werden. Ebenso darf ein sportlich stärkeres Kind andere nicht herabsetzen, nur weil es selbst mehr Tore schießt oder häufiger in der Startelf steht.
Trainer können mit klaren Regeln und einer bewussten Trainingsgestaltung viel bewirken.
Dazu gehört beispielsweise, Gruppen und Partner bei Übungen regelmäßig neu zusammenzustellen, statt immer dieselben Freundeskreise zusammenarbeiten zu lassen.
Auch Mannschaftsgespräche über gegenseitigen Respekt können helfen. Entscheidend ist allerdings, dass vereinbarte Regeln anschließend tatsächlich gelten.
Wie sprechen Eltern den Trainer auf die Ausgrenzung an?
Wenn sich die Vorfälle wiederholen, sollten Eltern das Gespräch mit dem Trainer suchen.
Ein guter Zeitpunkt ist ein vereinbarter Termin außerhalb des Trainings- und Spielbetriebs. Direkt nach einer Niederlage oder während der Trainer die Mannschaft betreut, lassen sich solche Themen selten ruhig besprechen.
Wichtig ist eine möglichst konkrete Schilderung.
Statt zu sagen „Die ganze Mannschaft mobbt mein Kind und Sie machen nichts dagegen“, lässt sich die Situation sachlicher darstellen:
„Mein Kind erzählt seit einigen Wochen, dass es bei Übungen regelmäßig ausgeschlossen und nach Fehlern ausgelacht wird. Inzwischen möchte es kaum noch zum Training. Ich würde gerne mit Ihnen besprechen, was Sie beobachtet haben und wie wir die Situation verbessern können.“
Damit wird deutlich, wie ernst die Lage ist, ohne dem Trainer von Beginn an eine bestimmte Absicht zu unterstellen.
Das Gespräch sollte klären, ob der Trainer ähnliche Beobachtungen gemacht hat und welche Schritte er für sinnvoll hält.
Auch ein konkreter Zeitpunkt für ein weiteres Gespräch kann vereinbart werden.
Weitere Hinweise zur Vorbereitung bietet unser Ratgeber Wie spreche ich mit dem Trainer, ohne als schwieriges Elternteil zu gelten?.
Was tun, wenn der Trainer das Problem herunterspielt?
Nicht jedes Gespräch führt sofort zu einer Verbesserung.
Manche Trainer erkennen die Dynamik innerhalb ihrer Mannschaft zunächst nicht. Andere betrachten gegenseitige Sticheleien als normalen Bestandteil des Sports.
Sätze wie „Da muss er eben härter werden“ oder „Das gehört im Fußball dazu“ helfen jedoch nicht, wenn ein Kind systematisch ausgegrenzt wird.
Eltern sollten dann erneut konkrete Vorfälle benennen und erklären, welche Auswirkungen diese auf ihr Kind haben.
Bleibt die Situation unverändert, kann es sinnvoll sein, die Jugendleitung einzubeziehen.
Viele Vereine verfügen außerdem über Ansprechpartner für Kinderschutz oder Prävention. Falls solche Personen benannt sind, können sie bei wiederholten Grenzüberschreitungen eine wichtige Anlaufstelle sein.
Dabei sollte es nicht darum gehen, andere Kinder öffentlich an den Pranger zu stellen. Ziel ist eine verlässliche Lösung, die das betroffene Kind schützt und das Verhalten innerhalb der Mannschaft verändert.
Bei körperlicher Gewalt, ernsthaften Drohungen oder sexualisierten Übergriffen ist dagegen sofortiges Handeln erforderlich. In solchen Fällen sollte nicht erst abgewartet werden, ob sich die Situation von allein beruhigt.
Wenn die Ausgrenzung über WhatsApp und soziale Medien weitergeht
Mannschaftsleben findet längst nicht mehr ausschließlich auf dem Fußballplatz statt.
Viele Jugendmannschaften organisieren sich über Messenger-Gruppen. Dort werden Trainingszeiten abgestimmt, Fotos geteilt und Verabredungen getroffen.
Solche Gruppen können allerdings auch zum Schauplatz von Ausgrenzung werden.
Ein Kind wird beispielsweise absichtlich nicht in eine private Mannschaftsgruppe aufgenommen, andere machen sich in Nachrichten über seine Fehler lustig oder verbreiten peinliche Bilder.
Besonders belastend ist, dass die Situation nach Trainingsende nicht aufhört.
Eltern sollten ihr Kind ermutigen, verletzende Nachrichten nicht sofort zu löschen. Screenshots können helfen, wiederholte Vorfälle nachvollziehbar zu dokumentieren.
Öffentliche Gegenangriffe in Elternchats sind dagegen meist keine gute Lösung. Sie können den Konflikt verschärfen und das betroffene Kind zusätzlich in den Mittelpunkt rücken.
Besser ist es, problematische Inhalte gezielt mit den zuständigen Erwachsenen zu besprechen.
Bei schweren digitalen Übergriffen können auch die jeweiligen Plattformen und gegebenenfalls weitere zuständige Stellen eingeschaltet werden.
Welche Rolle spielen die anderen Eltern?
Konflikte innerhalb einer Mannschaft werden manchmal durch das Verhalten von Erwachsenen verstärkt.
Wenn Eltern am Spielfeldrand regelmäßig einzelne Spieler kritisieren, ihre Fehler laut kommentieren oder abfällig über deren Leistungsfähigkeit sprechen, bleibt das von Kindern nicht unbemerkt.
Manche übernehmen solche Bewertungen.
Auch Gespräche über vermeintlich schwache Spieler, die Kinder mithören können, tragen nicht zu einem respektvollen Mannschaftsklima bei.
Eltern sollten deshalb besonders darauf achten, wie sie über andere Kinder sprechen.
Warum Zurufe und Kommentare von außen problematisch sein können, erklären wir ausführlicher im Artikel Eltern am Spielfeldrand: Warum gut gemeinte Zurufe Kinder beim Fußball sogar stören können.
Sollten Eltern die Eltern der beteiligten Kinder direkt kontaktieren?
Bei einem einzelnen Konflikt kann ein ruhiges Gespräch zwischen den Eltern sinnvoll sein, wenn beide Seiten dafür offen sind.
Bei einer größeren Gruppendynamik ist dagegen Vorsicht geboten.
Wenn mehrere Eltern anfangen, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, entstehen schnell zusätzliche Spannungen. Diese können sich wiederum auf die Kinder übertragen.
In solchen Situationen ist es häufig besser, den Trainer oder die Jugendleitung einzubeziehen und eine gemeinsame Vorgehensweise zu vereinbaren.
Wie kann ein Trainer den Zusammenhalt in der Mannschaft verbessern?
Ein gutes Mannschaftsklima entsteht nicht automatisch dadurch, dass Kinder dasselbe Trikot tragen.
Es entwickelt sich durch gemeinsame Erfahrungen, klare Regeln und einen respektvollen Umgang miteinander.
Trainer können im Alltag gezielt darauf achten, dass Kinder regelmäßig mit unterschiedlichen Mitspielern zusammenarbeiten.
Gerade bei Partnerübungen sollten nicht immer dieselben Freundespaare entstehen. Wechselnde Gruppen ermöglichen neue Kontakte und verhindern, dass einzelne Kinder dauerhaft außen vor bleiben.
Auch bei Spielformen kann der Trainer beobachten, ob bestimmte Spieler systematisch ignoriert werden.
Wird ein Kind trotz guter Anspielmöglichkeiten ständig übersehen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht jeder fehlende Pass ist Ausdruck von Ausgrenzung. Wiederkehrende Muster können aber Hinweise liefern.
Wichtig ist außerdem, wie der Trainer selbst mit Fehlern umgeht.
Wer nach einem misslungenen Pass laut schimpft oder einzelne Kinder regelmäßig vor der Gruppe kritisiert, kann unbeabsichtigt dazu beitragen, dass Mitspieler dieses Verhalten übernehmen.
Eine Mannschaft, in der Fehler zum Lernen dazugehören, bietet dagegen weniger Raum für sportliche Herabsetzung.
Sollte das betroffene Kind eine Trainingspause machen?
Manchmal ist die Belastung so groß, dass ein Kind vorübergehend nicht mehr zum Training möchte.
Eltern stehen dann vor einer schwierigen Entscheidung.
Einerseits soll das Kind nicht lernen, bei jedem Konflikt sofort aufzugeben. Andererseits darf es nicht gezwungen werden, eine Situation auszuhalten, die es dauerhaft belastet.
Eine kurze Pause kann sinnvoll sein, wenn das Kind Zeit braucht, um sich zu stabilisieren und gemeinsam mit den Erwachsenen eine Lösung zu finden.
Sie sollte allerdings nicht die einzige Maßnahme bleiben.
Wenn das Kind nach zwei Wochen in dieselbe unveränderte Situation zurückkehrt, ist wenig gewonnen.
Entscheidend ist, dass währenddessen geklärt wird, wie weitere Vorfälle verhindert werden können.
Wann ist ein Vereinswechsel sinnvoll?
Ein Vereinswechsel sollte nicht die erste Reaktion auf jeden Mannschaftskonflikt sein.
Viele Probleme lassen sich durch Gespräche, klare Regeln und Veränderungen im Trainingsalltag lösen.
Manchmal gelingt das jedoch nicht.
Wenn ein Kind über längere Zeit ausgegrenzt wird, der Trainer nicht wirksam eingreift und die Jugendleitung keine Verbesserung erreicht, kann ein Wechsel eine vernünftige Entscheidung sein.
Besonders dann, wenn die Freude am Fußball vollständig verloren gegangen ist.
Eltern sollten einen Wechsel aber nicht ausschließlich als Flucht aus einer belastenden Situation betrachten. Ein neuer Verein muss auch sportlich und menschlich zum Kind passen.
Ein Probetraining bietet die Möglichkeit, das Mannschaftsklima kennenzulernen. Dabei lohnt es sich, besonders darauf zu achten, wie die vorhandenen Spieler mit Neuzugängen umgehen.
Wird das Kind begrüßt? Erklären Mitspieler die Übungen? Wird es selbstverständlich einbezogen?
Solche Beobachtungen können mehr über die Atmosphäre einer Mannschaft verraten als das Ergebnis eines Testspiels.
Mehr dazu steht in unseren Artikeln Mein Kind will den Verein wechseln: Wann ist ein Vereinswechsel im Jugendfußball sinnvoll? und Probetraining bei einem neuen Fußballverein: Worauf Eltern und Kinder achten sollten.
Wie können Eltern das Selbstvertrauen ihres Kindes stärken?
Wer über längere Zeit ausgegrenzt wird, zweifelt möglicherweise irgendwann an sich selbst.
Besonders schwierig ist es, wenn die Ablehnung mit der sportlichen Leistung begründet wird.
Ein Kind, das ständig hört, es sei zu langsam, zu schlecht oder mache zu viele Fehler, kann diese Bewertungen irgendwann übernehmen.
Eltern sollten deshalb deutlich zwischen sportlicher Leistung und persönlichem Wert unterscheiden.
Ein Kind ist kein weniger wertvolles Mannschaftsmitglied, nur weil andere mehr Tore schießen oder technisch weiter entwickelt sind.
Hilfreich sind Gespräche über konkrete Stärken, die nicht ausschließlich mit Fußball zu tun haben.
Vielleicht ist das Kind hilfsbereit, zuverlässig, humorvoll oder besonders ausdauernd.
Auch Freundschaften außerhalb der Mannschaft können stabilisierend wirken. So hängt das gesamte soziale Leben nicht davon ab, ob es innerhalb des Fußballteams Anerkennung bekommt.
Gleichzeitig sollten Eltern vermeiden, das Kind mit ständigem Lob für seine Fußballleistung aufbauen zu wollen. Glaubwürdige Anerkennung und echtes Interesse an seinen Erfahrungen sind meist hilfreicher als pauschale Aussagen wie „Du bist sowieso der Beste“.
Wenn die Angst vor dem Training immer größer wird
Wiederholte Ausgrenzung kann Kinder erheblich belasten.
Wenn Schlafprobleme, starke Ängste, anhaltende Niedergeschlagenheit oder körperliche Beschwerden auftreten, sollten Eltern die Situation nicht allein als Fußballproblem betrachten.
Ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder einer geeigneten Beratungsstelle kann dann sinnvoll sein.
Das gilt besonders, wenn sich die Belastung auch auf Schule, Freundschaften oder Familienleben auswirkt.
Fußball soll Kindern Raum geben, sich auszuprobieren, Beziehungen aufzubauen und gemeinsam etwas zu erleben.
Wenn ausgerechnet dieser Ort dauerhaft Angst auslöst, muss sich etwas verändern.
Häufige Fragen zur Ausgrenzung im Jugendfußball
Ist es Mobbing, wenn mein Kind im Training nie angespielt wird?
Nicht unbedingt. Fehlende Zuspiele können sportliche oder taktische Gründe haben. Wird ein Kind jedoch bewusst und wiederholt ignoriert, insbesondere zusammen mit Beleidigungen oder anderen Formen der Ausgrenzung, sollte der Trainer die Situation genauer beobachten.
Muss der Trainer eingreifen, wenn Kinder einen Mitspieler beleidigen?
Ein Jugendtrainer sollte abwertendes Verhalten nicht tolerieren. Er trägt im betreuten Trainings- und Spielbetrieb Verantwortung für einen respektvollen Umgang und sollte bei wiederholten Beleidigungen klare Grenzen setzen.
Sollte mein Kind trotzdem weiter zum Training gehen?
Das hängt davon ab, wie belastend die Situation ist und ob Schutz und Verbesserung erkennbar sind. Ein Kind sollte nicht gezwungen werden, wiederholt demütigende oder bedrohliche Situationen auszuhalten. Gemeinsam mit dem Kind und den zuständigen Erwachsenen sollte eine tragfähige Lösung gefunden werden.
Kann Ausgrenzung auch in leistungsstarken Mannschaften vorkommen?
Ja. Leistungsdruck und Konkurrenz können Konflikte verstärken, müssen aber nicht zwangsläufig zu Ausgrenzung führen. Entscheidend ist, welche Umgangsformen innerhalb der Mannschaft gelten und wie Trainer auf Grenzüberschreitungen reagieren.
Was tun, wenn mein Kind nicht möchte, dass ich mit dem Trainer spreche?
Zunächst sollte geklärt werden, wovor das Kind Angst hat. Häufig befürchtet es, dass sich die Situation nach einem Elterngespräch verschlimmert. Bei leichteren Konflikten kann gemeinsam ein vorsichtiger Weg vereinbart werden. Bei ernsthafter oder wiederholter Gefährdung müssen Erwachsene jedoch Verantwortung übernehmen, auch wenn das Kind zunächst zögert.
Fazit: Mannschaftszugehörigkeit darf nicht von der Leistung abhängen
Kinder müssen sich im Fußball nicht mit jedem Mitspieler anfreunden. Sie dürfen unterschiedlicher Meinung sein, miteinander konkurrieren und gelegentlich streiten.
Was sie erwarten dürfen, ist ein respektvoller Umgang.
Wird ein Kind regelmäßig ausgegrenzt, sollten Eltern weder überstürzt handeln noch darauf vertrauen, dass sich das Problem grundsätzlich von allein löst.
Zuhören, konkrete Vorfälle klären und gemeinsam mit dem Trainer Veränderungen anstoßen: Das ist meist der sinnvollste erste Weg.
Und wenn trotz aller Bemühungen keine Verbesserung eintritt, darf auch ein Neuanfang in einer anderen Mannschaft eine gute Lösung sein.
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